Organe spenden? Bilde dir deine Meinung.

Organe spenden?

Gespendete Organe, Gewebe oder Zellen können Leben retten und die Lebensqualität der empfangenden Personen nachhaltig verbessern. Allein in der Schweiz warten mehr als tausend Personen auf ein Organ. Informiere dich hier über das Thema und treffe deine Entscheidung für oder gegen eine Organspende. So oder so. Wichtig ist, dass du deinen Willen auf der Spendekarte festhältst und ihn deinen Angehörigen mitteilst. Nur so kannst du sicherstellen, dass, falls es dazu kommen sollte, deine Liebsten in deinem Sinn entscheiden können und in einer traurigen Situation nicht unvorbereitet mit der belastenden Spendefrage konfrontiert werden.

WAS KANN GESPENDET WERDEN?

Nach dem Tod können diese Organe gespendet werden: Nieren, Lungen, Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse (oder deren Inselzellen) und Dünndarm.

Neben Organen können auch Gewebe gespendet werden, wie zum Beispiel die Hornhaut des Auges oder Herzklappen und grosse Blutgefässe. Augenhornhauttransplantationen sind bei gewissen Krankheiten die letzte Hoffnung für Patienten, die sonst erblinden würden. Herzklappen- und Gefässtransplantationen können bei Missbildungen, Infektionen und Tumorerkrankungen lebensrettend sein.

Blutstammzellen

Blutstammzellen werden aktuell nur im Rahmen einer Lebendspende entnommen. Eine Blutstammzelltransplantation ist für Menschen mit Erkrankungen des blutbildenden Systems oft die einzige Chance auf Heilung. Das Schweizerische Register für Blutstammzellspender wird von Swiss Blood Stem Cells (SBSC) geführt, einer Unterorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK).

Hier erfährst du mehr über die Blutstammzellspende

WAS SIND DIE GESETZLICHEN

VORAUSSETZUNGEN FÜR EINE SPENDE?

  • Organe, Gewebe oder Zellen dürfen einer verstorbenen Person nur dann entnommen werden, wenn dafür eine Einwilligung vorliegt und der Tod festgestellt worden ist.
  • Liegt keine dokumentierte Zustimmung oder Ablehnung der verstorbenen Person vor (z.B. in Form einer Spendekarte oder einer Patientenverfügung), werden die nächsten Angehörigen gefragt, ob sie deren Willen kennen. Falls nicht, müssen sie entscheiden und dabei den mutmasslichen Willen der verstorbenen Person berücksichtigen.
  • Sind keine Angehörigen vorhanden oder erreichbar, ist es verboten, Organe, Gewebe oder Zellen zu entnehmen. Der Wille der verstorbenen Person geht dem Willen der Angehörigen vor. Hat die verstorbene Person die Entscheidung einer Vertrauensperson übertragen, so entscheidet diese anstelle der nächsten Angehörigen.

    Diese Voraussetzungen sind im Schweizer Transplantationsgesetz festgehalten.

ERHÄLT MAN GELD

FÜR EINE SPENDE?

Das Transplantationsgesetz verbietet den Handel mit Organen, Geweben oder Zellen und schreibt vor, dass eine Spende unentgeltlich erfolgen muss.

Die Spende von Organen, Geweben oder Zellen ist in jedem Fall eine freiwillige Gabe und wird finanziell nicht entschädigt. Den Angehörigen entstehen aus einer Spende auch keine finanziellen Nachteile.

WER KANN SPENDEN?

Organe, Gewebe oder Zellen können meist bis ins hohe Alter gespendet werden. Entscheidend sind der Gesundheitszustand der spendenden Person und die Funktionsfähigkeit der Organe und Gewebe.

Auch Menschen mit bestimmten Krankheiten (u.a. einige Tumorerkrankungen) können unter Umständen Organe und Gewebe spenden. Ob dies möglich ist, wird kurz vor oder während der Entnahme geprüft. Jede Person ab 16 Jahren kann eine Spendekarte ausfüllen. Kommt eine Spende bei einer jüngeren Person infrage, dann entscheiden deren gesetzliche Vertreter.

WANN IST EINE

ORGANENTNAHME MÖGLICH?

Eine Organentnahme bei einer verstorbenen Person ist möglich, wenn der Tod infolge einer direkten (primären) Hirnschädigung eingetreten ist, beispielsweise nach einer Hirnblutung oder nach einem Unfall mit Schädel-Hirn-Verletzung.

In selteneren Fällen ist eine Organentnahme auch möglich, wenn eine Person infolge einer indirekten (sekundären) Hirnschädigung nach einem Herz-Kreislauf-Versagen verstorben ist. Wer zu Hause verstirbt, kann nicht zur Organspenderin oder zum Organspender werden, weil die Entnahme medizinische Vorbereitungen verlangt, die nur in einem Spital möglich sind.

WANN IST EINE

GEWEBEENTNAHME MÖGLICH?

Einige Gewebe können bis zu 48 Stunden nach dem Tod entnommen werden.

Augenhornhaut kann bei jeder verstorbenen Person entnommen werden, dazu sind keine vorbereitenden medizinischen Massnahmen nötig. Die Entnahme kann bis zu 48 Stunden nach dem Tod erfolgen. Herzklappen werden entnommen, wenn sich das Herz eines Spenders oder einer Spenderin medizinisch nicht für eine Transplantation eignet (z.B. nach einem Herzinfarkt). Schliesse deshalb die Herzklappen- und Gefässspende nicht aus, wenn du einer Herzspende zustimmst.

WIE WIRD DER TOD FESTGESTELLT?

Bevor einer verstorbenen Person Organe oder Gewebe entnommen werden können, muss ihr Tod zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Dafür müssen zwei Ärztinnen oder Ärzte mit entsprechender Qualifikation nach dem Vier-Augen-Prinzip bestätigen, dass die Funktionen des Hirns und des Hirnstamms endgültig ausgefallen sind (man spricht auch vom Hirntod-Nachweis). Die Untersuchungen und Tests, die dabei gemacht werden müssen, sind genau definiert und müssen schriftlich bestätigt werden. Dieser Nachweis des Todes muss in der Schweiz bei jedem potenziellen Organspender erbracht werden, unabhängig davon, ob der Tod nach einer direkten oder einer indirekten Hirnschädigung eingetreten ist. Die Ärztinnen und Ärzte, die den Tod nachweisen, dürfen nicht zu den medizinischen Teams gehören, welche die Organe entnehmen oder die Transplantationen durchführen.

WARUM BRAUCHT ES VORBEREITENDE

MEDIZINISCHE MASSNAHMEN?

Vorbereitende medizinische Massnahmen werden zwischen dem Therapieabbruch und der Organentnahme durchgeführt.

Bei einer schwer kranken oder schwer verletzten Person wird die lebenserhaltende Therapie nur abgebrochen, wenn der Tod unausweichlich ist und damit jede weitere Behandlung sinnlos wird. Der Entscheid zum Therapieabbruch wird immer unabhängig davon gefällt, ob einer Entnahme von Organen, Geweben oder Zellen zugestimmt wurde. Vorbereitende medizinische Massnahmen sind nötig, um die Organe zu erhalten. Ohne vorbereitende medizinische Massnahmen ist eine erfolgreiche Transplantation nicht möglich. Die Spendekarte ist deshalb so ausgestaltet, dass du mit einem «Ja» sowohl der Entnahme als auch den vorbereitenden Massnahmen zustimmst. Liegt keine Spendekarte vor, dürfen vorbereitende medizinische Massnahmen nur durchgeführt werden, wenn die Angehörigen oder die Vertrauensperson zustimmen. Wer eine Patientenverfügung hat und spenden möchte, sollte in der Verfügung ausdrücklich vermerken, dass im Fall einer Organspende die dafür notwendigen vorbereitenden Massnahmen vorgenommen werden dürfen.

WELCHE VORBEREITENDEN MEDIZINISCHEN

MASSNAHMEN WERDEN DURCHGEFÜHRT?

Damit die Organe keinen Schaden nehmen, sind je nach Situation unterschiedliche Massnahmen notwendig.


  • Eine bereits begonnene künstliche Beatmung wird weitergeführt.
  • Medikamente, die den Kreislauf unterstützen und den Hormonhaushalt regulieren, werden verabreicht.
  • Blutproben für Laboruntersuchungen werden entnommen. Die Ergebnisse dienen dazu, die Funktionen der Organe zu überprüfen.

EIN KONKRETES BEISPIEL

So läuft der Spendeprozess von der Todesfeststellung bis zum Abschluss der Organ- und Gewebeentnahme ab. Er dauert in der Regel 12 bis 24 Stunden.

Der Notfall

Ein Mann wird mit einer schweren Hirnblutung ins Spital eingeliefert. Ärzte- und Pflegeteams auf der Notfall- und der Intensivstation bemühen sich, sein Leben zu retten. Leider gelingt dies nicht und sein Tod ist nicht mehr zu verhindern. Jede weitere Behandlung ist damit aussichtslos geworden.



Wie weiter?

In diesem Fall sprechen die Ärztinnen und Ärzte die Angehörigen auf die Möglichkeit einer Organ- oder Gewebespende an. Der Patient wird zum möglichen Spender, wenn er schriftlich festgehalten hat, dass er spenden will und mit den vorbereitenden Massnahmen einverstanden ist (z.B. auf einer Spendekarte oder in einer Patientenverfügung). Liegt keine solche Erklärung vor, werden die nächsten Angehörigen gefragt, ob sich der Patient zu Lebzeiten bezüglich einer Spende geäussert hat. Ist der Wille des Patienten nicht bekannt, entscheiden die Angehörigen. Sie müssen dabei den mutmasslichen Willen des Patienten beachten. Liegt eine Zustimmung vor, wird die künstliche Beatmung weitergeführt und, falls notwendig, werden weitere vorbereitende medizinische Massnahmen vorgenommen, um die Organe zu erhalten. Ohne Zustimmung zur Organ- und Gewebespende würden jetzt alle therapeutischen Massnahmen abgebrochen.

Feststellung des Todes

Die Ärztinnen und Ärzte führen nun die vorgeschriebenen Untersuchungen zur Feststellung des Todes durch (sog. Hirntod-Nachweis). Diese bestätigen, dass der Mann tot ist. Weil der Patient künstlich beatmet wird, fehlen typische äussere Todeszeichen wie Totenstarre oder Leichenflecken.



Die Suche nach geeigneten Empfängerinnen und Empfängern

Nun beginnt die Suche nach geeigneten Empfängerinnen und Empfängern. Je genauer Blut- und Gewebemerkmale zwischen der spendenden und der empfangenden Person übereinstimmen, desto besser wird ein Organ nach der Transplantation funktionieren und desto kleiner ist die Gefahr einer Abstossung. Um dies zu überprüfen, braucht es zahlreiche Laboruntersuchungen.



Die Entnahme

Gleichzeitig mit der Suche nach Empfängerinnen und Empfängern beginnen die Vorbereitungen zur Organentnahme beim Verstorbenen. Die Koordination ist sehr komplex. Konnten Empfängerinnen oder Empfänger gefunden werden, wird der Spender in den Operationssaal gebracht. Nach der Entnahme werden die Organe zu den Transplantationszentren gebracht.

Diese Transporte müssen möglichst schnell erfolgen, da die Organe ohne Durchblutung nur für kurze Zeit funktionstüchtig bleiben. Werden zusätzlich Gewebe entnommen, erfolgt dies nach der Organentnahme. Bei der Entnahme von Geweben drängt die Zeit weniger, da diese nicht unmittelbar transplantiert werden müssen und gelagert werden können. Der Spendeprozess von der Todesfeststellung bis zum Abschluss der Organ- und Gewebeentnahme dauert in der Regel 12 bis 24 Stunden. Die Angehörigen erhalten keine Informationen darüber, wem ein Organ zugeteilt worden ist oder wer ein Gewebe erhalten hat.



Abschiednehmen

Nach der Entnahme der Organe und Gewebe werden alle Operationsschnitte verschlossen. Die Wundnähte befinden sich an Stellen, die bei einer Aufbahrung des Leichnams nicht zu sehen sind. Nun können die Angehörigen vom Verstorbenen Abschied nehmen.